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Wahrheiten ändern sich

Oft werde ich gefragt: „In welchem Musical spielst du mit?“ Man erwartet eine Antwort wie: „Tanz der Vampire“, „Starlight Express“ oder „Der König der Löwen“. Ich muss euch leider enttäuschen. Mit dem Einstieg in diesen Beruf dachte ich, mein Ziel wäre es, in einer der größten Musicals von „Stage Entertainment“ mitzuwirken. Dabei hatte ich das große Glück, ein Teil zahlreicher Shows und Produktionen zu sein, durch die ich ein großes Spektrum an Rollenprofilen entwickelte, was mich widerum sehr geprägt hat. Ich hätte auf den „großen“ Bühnen wahrscheinlich nie die Möglichkeit gehabt, so viele unterschiedliche Charaktere und Rollen spielen zu können, wie ich es bis heute tue. Höchste Priorität war es, von der Kunst leben zu können. Aus Hobby wurde Beruf. Aus Spaß wurde Ernst. Damit habe ich mir den Appetit auf den Beruf selbst verdorben, denn dadurch verlor ich das aus den Augen, wofür ich eigentlich brannte. Nach einiger Zeit und unzähligen Auditions, in denen ich scheiterte, wurde mir klar, warum es nicht klappte. Weil etwas in mir es nicht wollte. Ich dachte nur, dass es das Richtige für mich wäre.

Nach einigen Jahren in dem Beruf wurde mir bewusst, dass ich nur dann beruflich erfolgreich und glücklich sein kann, wenn ich das liebe, was ich tue und mit ganzem Herzen dabei bin. In meinen Augen schafft man das nur, wenn man sich selbst treu bleibt und sich immer wieder fragt, ob man das, was man tut, gerne tut. Ein wichtiger Punkt ist definitiv: Fokus. Oft scheitert es an zu viel Ablenkung und mangelnder Konzentration. Wir schauen auf unserem Weg nach rechts und links, bewusst und unbewusst, lassen uns von irgendwelchen Stimmen beeinflussen und vergessen dabei, was eigentlich unser Ziel war. Ich habe für mich ein perfektes Werkzeug gefunden. Ich nutze den Blick von außen, um das Große und Ganze besser einschätzen zu können, halte inne und frage mich: stehe ich, da wo ich stehe, noch richtig? Gleichzeitig versuche ich darauf zu achten, ob die Begebenheit, die sich gerade anbietet, nicht auch irgendwie zu meinem Ziel führt. Das bedeutet, es kann sein, dass mir auf meinem Weg zum Ziel Erfahrungen zufliegen, die ich aufmerksam annehmen sollte, anstelle sie zu verbannen, weil genau diese zum Ergebnis führen, obwohl ich mir den Weg anders vorgestellt habe. Etwas kompliziert, aber seitdem ich das verinnerlicht habe, bin ich viel offener und gelassener gegenüber meinem Schicksal und dankbar für viele Dinge, die mir auf dem Tablet serviert werden.

Ich fand heraus, dass ich einen Ausgleich zu meiner Tätigkeit als Musicaldarstellerin brauche, indem ich zusätzlich an einer eigenen Sache arbeite und eigene Ideen umsetze. Die Entscheidung, Musicaldarstellerin zu werden, entstand aus der Motivation,

möglichst gut in allen drei Bereichen Tanz, Gesang und Schauspiel ausgebildet zu sein, sodass ich in allen Zweigen arbeiten kann.

Das Showgeschäft ist hart und man muss dafür gemacht sein. Es ist eine Maschinerie. Es gibt so viele unfassbar gute Künstler. Spätestens nach ein paar Jahren im Berufsleben und hin und wieder vorkommende Durststrecken weiß jeder Künstler um die Auswirkung, mal nicht den Anforderungen zu entsprechen. Der mentale Druck ist extrem hoch, da unglaublich viele gute Bewerber um einen Job kämpfen. Manche verkaufen sich sogar unter Wert, nur um einen Job zu haben oder auf der Bühne stehen zu können. Die meisten Künstler machen sich von Lob und Kritik der Anderen abhängig, wenn sie davon leben wollen. Die Bewertung der eigenen Leistung nicht persönlich zu nehmen, ist schwierig, da davon ein Auftrag abhängt oder nicht und somit das Überleben. Man ist ständiger Kritik ausgesetzt. Unsere Aufgabe ist es, Emotionen zu transportieren und den Zuschauer glauben zu lassen, dass das echt ist, was wir spielen. Um das tun zu können, brauchen wir ein gewisses Maß an Durchlässigkeit. Durchlässigkeit kann für die Seele hinsichtlich des Kampfes um die eigene Existenz sehr schädlich sein.

Wahrheit auf den zweiten Blick

Diese Erfahrung gab mir zu erkennen, dass sich Wahrheiten ändern können, sobald sie real werden. Obwohl ich glaubte, ein Ziel nicht erreicht zu haben bzw. der Weg etwas anders verlief, als ich wollte, hatte dieser Weg seine Berechtigung und heute bin ich ganz froh darüber. Während ich mich darüber ärgerte, dass etwas nicht meiner Vorstellung entsprach, passierte längst das, was passieren sollte.

Ich habe mich lange blenden lassen und ich habe selbst geblendet, einfach um immer einen guten Eindruck zu machen. Aber das Leben ist so viel einfacher, wenn ich es nicht tue, sondern dem nachgehe, was mich aus macht. Die Liebe zur Kunst, Kreativität, Unterhaltung und Fashion.

Hi, ich bin Anna und Künstlerin. Ich schlüpfe in Rollen, habe mal vor langer Zeit gesungen & getanzt & mache das, was mir gerade in den Kopf kommt in einer Welt voller verrückter Kreaturen. Ich bin eine davon. Viel Spaß in meiner Welt

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