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Wahrheiten ändern sich

Oft werde ich gefragt: „In welchem Musical spielst du mit?“ Man erwartet eine Antwort wie: „Tanz der Vampire“, „Starlight Express“ oder „Der König der Löwen“. Ich muss euch leider bis jetzt enttäuschen. Wer weiß, was die Zukunft bringt. Mit dem Einstieg in diesen Beruf dachte ich, mein Ziel wäre es, in einer der größten Musicals von „Stage Entertainment“ mitzuwirken. Höchste Priorität war es, von der Kunst leben zu können. Aus Hobby wurde Beruf. Aus Spaß wurde Ernst. Damit habe ich mir den Appetit auf den Beruf selbst verdorben, denn dadurch verlor ich das aus den Augen, wofür ich eigentlich brannte. Nach einiger Zeit und unzähligen Auditions, in denen ich scheiterte, wurde mir klar, warum es nicht klappt. Weil etwas in mir es nicht wollte. Ich dachte nur, dass es das richtige für mich wäre.

Nach einigen Jahren in dem Beruf wurde mir bewusst, dass ich nur dann erfolgreich bin, wenn ich das liebe, was ich tue und mit ganzem Herzen dabei bin. Ich hatte meinen inneren Antrieb und meine Motivation über einige Zeit ignoriert und funktionierte nur noch. Ich fand heraus, dass ich einen Ausgleich zu meiner Tätigkeit als Musicaldarstellerin brauche, indem ich zusätzlich an einer eigenen Sache arbeite und eigene Ideen umsetze. Die Entscheidung, Musicaldarstellerin zu werden, entstand aus der Motivation, möglichst gut in allen drei Bereichen Tanz, Gesang und Schauspiel ausgebildet zu sein, sodass ich in allen Zweigen arbeiten kann. Die Welt der Künstler ist hart und man muss für sie gemacht sein. Es ist eine Maschinerie und wenn du dir nur einen Fehler erlaubst, bist du raus. Es gibt ja genügend Andere, die deinen Platz ersetzen. Die meisten Künstler sind sehr sensibel, weil sie sich von Lob und Kritik der Anderen abhängig machen, wenn sie davon leben wollen. Der mentale Druck ist extrem hoch, da unglaublich viele gute Bewerber um einen Job kämpfen. Als Künstler, die Bewertung der eigenen Leistung nicht persönlich zu nehmen, ist schwierig, da er ständiger Kritik ausgesetzt ist. Unsere Aufgabe ist es, Emotionen zu transportieren und den Zuschauer glauben zu lassen, dass das echt ist, was wir spielen. Um das tun zu können, brauchen wir ein gewisses Maß an Offenheit. Leider ist diese Offenheit der Seele in dem Beruf hinsichtlich des Kampfes um die eigene Existenz wiederum ziemlich fehl am Platz. Diese Erfahrung habe ich gebraucht, um zu erkennen, dass sich Wahrheiten ändern können, sobald sie real werden. Obwohl ich glaubte, ein Ziel nicht erreicht zu haben bzw. der Weg etwas anders verlief, als ich wollte, hatte dieser Weg seine Berechtigung. Während ich mich darüber ärgerte, dass etwas nicht meiner Vorstellung entsprach, passierte längst das, was passieren sollte.

Wahrheit auf den zweiten Blick

Ich habe mich lange blenden lassen und ich habe selbst geblendet, einfach um immer einen guten Eindruck zu machen. Aber das Leben ist so viel einfacher, wenn ich es nicht tue. Ich schaue gern ein zweites oder drittes Mal hin, bevor ich mir ein Urteil erlaube. Dieser zweite Blick oder die zweite Chance hat in der Welt der darstellenden Kunst leider nichts verloren. Es geht nur darum, sich oder Geschichten zu verkaufen und möglichst überzeugend zu wirken.

Hi, ich bin Anna und Künstlerin. Ich schlüpfe in Rollen, habe mal vor langer Zeit gesungen & getanzt & mache das, was mir gerade in den Kopf kommt in einer Welt voller verrückter Kreaturen. Ich bin eine von ihnen. Viel Spaß in meiner Welt